Zehnausende Arbeiter:innen in 15 Städten auf der Strasse!

Am 26. September 2026 rief der DGB in 15 Städten zu deutschlandweiten Massenkundgebungen und Demonstrationen auf. Die Aktionen in Berlin, Bremen, Erfurt, Essen, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, Magdeburg, Nürnberg, Rostock, Saarbrücken und Stuttgart usw. standen unter dem rein defensiven, unterirdischen Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ Laut DGB nahmen bundesweit rund 175.000 Menschen an den Aktionen teil.

In der Hauptstadt versammelten sich die Demonstrant:innen vor dem IG-Metall-Gebäude und zogen mit ihren Transparenten in Richtung Rotes Rathaus. Nach Angaben des DGB nahmen 12.000 Menschen teil. Die Berliner Polizei gab die Teilnehmerzahl hingegen mit 5.500 an. Es waren aber bestimmt um 10.000 Demonstrant:innen unterwegs. Der DGB Berlin-Brandenburg und seine Mitgliedsgewerkschaften betonten gemeinsam mit Sozial-, Wohlfahrts- und Umweltorganisationen, Jugendverbänden und Vertretern der Zivilgesellschaft, dass der Sozialstaat keine Gnade sei. Der Sozialstaat sei das Ergebnis von Errungenschaften, die durch die Arbeit und die Beitragszahlungen von Millionen von Menschen erkämpft wurden. Die Arbeiter:innen dürfen jetzt nicht zu weniger Leistungen, höheren Kosten und neuen Hindernissen verdammt werden. Jeder und jede Arbeiterin, alle Werktätigen müssen das Recht auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, soziale Absicherung und eine sichere Rente haben. Die von der Regierung als angebliche Reformen verkauften Einschnitte bei den Sozialleistungen, im Bereich Arbeit und soziale Sicherheit sind ein Hohn. Der Zorn und die Wut der Demonstrant:innen richteten sich gegen längere und flexiblere Arbeitszeiten, sowie gegen die Ausweitung befristeter Arbeitsverträge und die Aushöhlung der bestehenden Rechte der Beschäftigten.

Insbesondere die Verschlechterung der Dienstleistungen im Gesundheits- und Pflegebereich sowie die zunehmenden Belastungen von Beschäftigten und Rentnern wurden thematisiert. Vorschläge wie die Anhebung des Renteneintrittsalters, die Abschaffung des Anspruchs auf eine Rente ohne Kürzungen für Personen, die 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, sowie die Senkung der Rentenhöhe wurden massiv abgelehnt.

Katja Karger, Landesvorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, erklärte, dass die Menschen in Berlin angesichts steigender Preise, hoher Mieten, der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und der Spaltung der Gesellschaft unter großer Verunsicherung litten. Sie wies darauf hin, dass eine Schwächung des Sozialversicherungssystems diese Probleme noch verschärfen würde, und forderte die Bundesregierung sowie die künftige Berliner Landesregierung auf, die soziale Sicherheit und die gesellschaftliche Solidarität zu stärken.

Auch Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, kritisierte, dass die geplanten Reformen Frauen und Familien besonders hart treffen würden. Sie erklärte, dass die Diskussion über Unterhaltsvorschüsse, Elterngeld und Unterstützungsleistungen für Kinder aus einkommensschwachen Familien die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen schwächen werde, und fügte hinzu, dass die geplanten Änderungen im Rentensystem insbesondere Frauen und Bevölkerungsgruppen, die von Altersarmut bedroht sind, stärker treffen würden.

Auf den Transparenten und Plakaten, die während der Demonstration getragen wurden, standen Forderungen zum Arbeitsleben, zu Rentenansprüchen und zur sozialen Sicherheit im Vordergrund. Neben Slogans wie „Hände weg vom Arbeitszeitgesetz!“, „45 Jahre reichen!“, „Gute und sichere Arbeit“ und „Für eine Rente, von der man leben kann“ gehörte auch der Hauptslogan der Demonstration „HART VERDIENT! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ Aber das alles war und ist, kein Aufruf zu massiven Kampfmaßnahmen! Keine Mobilisierung zum Streik! Kein Aufruf zum Generalstreik! Sondern alles nur leere Appelle an die Kapitalisten und ihren Staat!

Bei der Demonstration wurde von „Trotz Alledem“ das Flugblatt mit dem Titel „‘Reform-Programm‘ der Merz-Regierung – Generalangriff der Kapitalisten auf unsere schwer erkämpften Rechte! ZEIT ZUM AUFSTEHN!“ verteilt.

In der während der Demonstration verteilten „Trotz Alledem“-Erklärung wird eine klassenbe-zogene Perspektive eingenommen, die über die reformistischen Forderungen der Gewerkschaften weit hinausging. In der Erklärung wird das „Reformprogramm“ der Merz-Regierung als ein umfassender Angriff der Bourgeoisie, der Monopolkapitalisten auf die Arbeiter:innenklasse angeprangert. Die Aushöhlung des Acht-Stunden-Arbeitstages, die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse, der Abbau von Renten- und Gesundheits-rechten sowie die Kürzungen im öffentlichen Dienst wird soll entsprechend der Bedürfnisse der Bourgeoisie durchgezogen werden. Zudem wird ein Zusammenhang zwischen diesem Programm und der Wiederaufrüstung Deutschlands sowie den Kriegsvorbereitungen hergestellt. Den Angriffen des Kapitals und der Bourgeoisie lediglich mit der Forderung nach einer „Stärkung des Sozialstaats“ entgegenzutreten, ist ein Hohn. Die zentrale Forderung der TA-Erklärung lautet, dass die Arbeiter:innenklasse als Antwort auf den Reformbetrug der Bourgeoisie einen organisierten, militanten, kompromisslosen Klassenkampf von unten entwickeln müsse.

Die auf der Gewerkschaftsdemonstration gestellten Forderungen nach einem „starken Sozialstaat“ und „guten Arbeitsbedingungen“ sind angesichts der Kahlschlagpolitik der Merz-Regierung Augenwischerei. Die Alternative ist nicht den reformistischen Gewerkschaftbossen hinterher zu laufen. Die Arbeiter:innenklasse muss sich ihrer eigenen Stärke bewusst werden und die vom bürgerlichen Staat und den reformistischen Gewerkschaften festgelegten Grenzen endlich sprengen. Gegen den von der Bourgeoisie von oben geführten Klassenkampf muss die Arbeiter:innenklasse ihren eigenen revolutionären Klassenkampf von unten organisieren. Die Aufgabe besteht nicht nur darin, die errungenen Rechte zu verteidigen, sondern den unabhängigen, organisierten und Klassenkampf gegen das System der Ausbeutung zu entfalten. Wenn die Arbeiter:innenklasse die Macht hat, die Produktion zum Stillstand zu bringen, dann hat sie auch die Macht, die Gesellschaft zu verändern.

Während der Aktion wurden auch die Ausgaben 96, 97 und 98 von „Trotz Alledem“ verkauft.

TA Berlin 26. September 2026

Die zentrale NRW-Kundgebung des Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit seinen Mitgliedsgewerkschaften, darunter IG Metall, IGBCE, NGG und ver.di fand auf dem voll besetzten Burgplatz in Essen statt. Die DGB-Gewerkschaften hatten in Nordrhein-Westfalen an rund 100 Orten kostenlos Busse organisiert, um den Arbeiter:innen die Teilnahme zu ermöglichen.

Wie in den anderen Städten waren auch in Essen Tausende Werktätige aus verschiedenen DGB-Gewerkschaften vertreten. Mit zahlreichen Transparenten, Plakaten und kämpferischen Parolen brachten sie ihren Protest gegen das Reformpaket der Koalitionsregierung zum Ausdruck und setzten gemeinsam ein starkes Zeichen.

Die häufigsten Parolen waren:

Hart Verdient – Das Lassen Wir Uns Nicht Nehmen! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente!

Hände Weg Vom 8-Stunden-Tag! 45 Jahre Sind Genug – Abschlagsfrei In Rente! Gute Arbeit Braucht Gute Löhne! Sozialstaat Statt Sozialabbau! Gemeinsam Sind Wir Stark – Sozialstaat Verteidigen!

Die Demonstrationszüge starteten an verschiedenen zentralen Punkten der Stadt und zogen durch die Essener Innenstadt zum zentralen Kundgebungsort auf dem Burgplatz.

Im Mittelpunkt der Proteste standen die geplanten Veränderungen bei Rente, Arbeitszeit und Gesundheit. Die Gewerkschaften kritisieren insbesondere eine mögliche Erhöhung des Renteneintrittsalters, das geplante Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, Veränderungen beim Arbeitszeitgesetz sowie eine mögliche Verpflichtung, bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorzulegen.

Als Hauptrednerin sprach die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi. Sie erklärte:

„Die aktuellen Reformdebatten der Bundesregierung sorgen bei vielen Beschäftigten für große Verunsicherung. Diskutiert werden Einschnitte bei der gesetzlichen Rente, steigende Belastungen in der Pflege, Kürzungen im Gesundheitswesen sowie längere Arbeitszeiten. Der DGB macht deutlich: Reformen dürfen nicht dazu führen, dass die Lasten einseitig auf die Schultern der Beschäftigten abgewälzt werden.“

Und weiteres:

„Die Bewegung entstand als Antwort auf die aus Sicht der Gewerkschaften drohenden Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und Sozialleistungen sowie auf die zunehmende Abwertung der Beschäftigten. Ihre Botschaft ist klar: Wer täglich den Laden am Laufen hält, verdient Respekt, Sicherheit und gute Zukunftsperspektiven – statt Kürzungen und Verschlechterungen.

Die gewerkschaftlichen Proteste stehen für Solidarität, Zusammenhalt und die Überzeugung, dass soziale Errungenschaften nicht einfach zur Disposition gestellt werden dürfen. Denn die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt: Diese Errungenschaften wurden dem Kapital nicht geschenkt, sondern von den Beschäftigten gemeinsam hart erkämpft.

Was wir uns hart erkämpft und erarbeitet haben, lassen wir uns nicht nehmen!“

Auch die Protestkundgebung selbst war von einer vielfältigen und dynamischen Atmosphäre geprägt. Ein großer Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehörte zur Altersgruppe 50 Jahre und älter. Der Anteil der jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag schätzungsweise bei 15 bis 20 Prozent.

Unsere Beteiligung an der Kundgebung:

Auch wir aus NRW haben uns aktiv an dieser Protestaktion beteiligt. Im Rahmen der Kundgebung verteilten wir an drei verschiedenen Stellen unser zentral herausgegebenes Flugblatt: mit der Titel:„‚Reform‘-Programm der Merz-Regierung! Brutaler Angriff der Bourgeoisie auf die Rechte der Arbeiterinnenklasse und der Werktätigen! Schlagen wir zurück mit KLASSENKAMPF!“

Darüber hinaus verteilten wir unsere Fabrikzeitung zum Antikriegstag am 1. September. 

Wir führten Gespräche und Diskussionen mit zahlreichen Menschen und machten aktiv unsere politischen Positionen und unsere politische Linie bekannt.

Wir konnten zahlreiche Gespräche mit viele Arbeiter:innen führen, unsere Agit-Prop verbreiten und unsere Positionen unmittelbar der Protestaktion zur Diskussion stellen.

Trotz Alledem Aktivist:innen NRW

In Stuttgart haben an der zentralen Baden-Württemberg Aktion 16.500 Arbeiter:innen und Werktätige eine aktionreiche Aktion geliefert .

Um 11:55 Uhr startete die Kundgebung auf dem Schloßplatz mit der Rede von Kai Burmeister, DGB-Bezirksvorsitzender. Sein Inhalt: Die Beschäftigten dürfen nicht die Zeche zahlen! Wir stehen für soziale Gerechtigkeit, gute Arbeit und gute Renten. Was wir heute haben, wurde hart verdient – unsere Rechte lassen wir uns nicht nehmen!

Zum Aufheizen der Stimmung tratdanach das Junge Arbeiter Set auf mit HipHop Einlagen zum Klassenkampf und gegen Faschos auf. Maike Schollenberger, ver.di-Landesbezirksleiterin verklärte anschließend in Gewerkschaftsmanier die Lage. Sie meinte: „…bis 2019 ging es uns mit dem gleichen Sozialstaat blendend….“

Was für eine Verklärung zur Realität der Lage der Arbeiter:innenklasse. Das mag für die Gewerkschafter:innen stimmen, aber bestimmt nicht für Leiharbeiter:innen, Arbeiter:innen im Niedriglohnsektor, prekär Beschäftigte etc…

Und weiter: …Das Netto-Vermögen in diesem Land beträgt mittlerweile 20 Billionen Euro und wächst jedes Jahr um eine Billion Euro an. Es liegt halt nicht auf unseren

Konten, es konzentriert sich bei Wenigen. Die zwei reichsten Familien Deutschlands, Schwarz und Boehringer, beide übrigens ausm Ländle, besitzen inzwischen so viel wie die untere Hälfte, so viel wie 42 Millionen Menschen zusammen. Leute das geht doch nicht! Nö! Ganz Klar geht doch nicht!? Uns was bieten die Gewerkschaften als Alternative? Dazu Maike Schollenberger: „…Ein kleines Gedankenspiel: Wenn wir den Zuwachs des Vermögens von nur einem Jahr nehmen würden, dann könnten wir mit dieser Billion Euro wirklich alle Probleme in diesem Land lösen – auf einen Schlag. Und das verrückte: danach wären die Reichen quasi exakt gleich reich wie im Jahr davor….“ Hammer! Die Reichen, also unsere Ausbeuter, dürfen exakt gleich reich bleiben. Ist ja eine super Errungenschaft für uns Arbeiter:innen. Lassen wir uns also weiter ausbeuten. Die Bonzen verdienen an unserer Arbeit. Aber nö, wir nehmen ihnen nix weg. Gut, wir müssen uns heute ja schon freuen, wenn einige kritische Worte kommen und dazu zum Abschluss: „Liebe Leute, Die Bundesregierung steht jetzt vor der Entscheidung, ob sie für die anstehenden Herausforderungen das Leben von zig Millionen Menschen schlechter, für sehr viele unerträglich macht. Oder ob sie von den obersten Zehntausend, von Multimillionären und Milliardären, einen angemessenen Beitrag zum Erhalt der sozialen Marktwirtschaft und der Demokratie verlangt. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie die Bundesregierung auch nur eine Sekunde über diese Frage nachdenken kann. Aber genau deshalb braucht es Gewerkschaften, heute und auch morgen! Wir organisieren Hoffnung. Wir organisieren Solidarität. Und wir organisieren die Kraft, Dinge zu verändern. Wir haben uns den Sozialstaat hart verdient! BLEIBEN WIR LAUT.„

Trotz der Reden der Gewerkschafter:innen wurde es tatsächlich laut. Um ca, 13:30 Uhr zogen wir los. Über 16 tausend Arbeiter:innen und Werktätige. Es gab mehrere revolutionäre Blöcke, das Frauenkollektiv Stuttgart, Rote Gewerkschafter:innen mit dem Fronttranspi: „Ohne Streik wir sich nichts verändern“, Blöcke von revolutionären und kommunistischen Organisationen. Die Demo verlief kämpferisch und lautstark. Unsere Lieblingsparole: „25 Stunden Woche – 25 Stunden Woche – heyhey!“ aber auch Parolen, wie „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik-das ist unsere Antwort auf eure Politik„, sowie Aufrufe zum Generalstreik verbreiteten eine echt klassenkämpferische Stimmung.

Trotz Alledem Aktivist:innen Süddeutschland