Die erneute Diskussion über die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland hat unter der Schüler- und Jugendbewegung große Empörung ausgelöst. Mit Aufrufen zu einem „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ gingen Schülerinnen und Schüler im ganzen Land auf die Straße und boykottierten den Unterricht. Von Berlin bis Hamburg, von Köln bis München erhoben Tausende Jugendliche ihre Stimme gegen Aufrüstung, Kriegspolitik und die Propagandaaktivitäten der Bundeswehr an Schulen.
Der dritte landesweite Schulstreik, der am 8. Mai 2026 stattfand, wurde bewusst an einem historisch äußerst bedeutenden Datum organisiert. Denn der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem Nazideutschland besiegt wurde und die Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde. Nach dem Krieg, der Europa in eine gewaltige Zerstörung gestürzt hatte, vereinten sich breite Teile der Gesellschaft in Deutschland unter der Losung „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“. Heute tritt auch die Schüler- und Jugendbewegung mit demselben historischen Bewusstsein gegen die erneute Einführung der Wehrpflicht auf.
Nach Angaben der Organisatoren gingen in mehr als 150 Städten Deutschlands rund 45.000 Jugendliche auf die Straße. Die Schülerinnen und Schüler forderten die Rücknahme des „Gesetzes zur Modernisierung des Wehrdienstes“, ein Ende der Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie den Stopp der Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen. Einer der zentralen Slogans der Demonstrationen war „Nie wieder Krieg!“. Für die Jugendlichen ist dieser Slogan nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern zugleich eine Haltung gegen die heute zunehmend verschärfte Aufrüstung und Kriegspolitik.
Die Worte von Hannes Kramer, dem Sprecher des bundesweiten Schülerbündnisses, brachten die grundlegende Haltung der Bewegung auf den Punkt: „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend will eine Zukunft.“ Besonders nach dem Ukrainekrieg haben die schnelle Erhöhung der Militärausgaben in Deutschland, die stärkere Präsenz der Bundeswehr in der Gesellschaft sowie die erneute Diskussion über die Wehrpflicht unter Jugendlichen große Unruhe und Zukunftsängste ausgelöst.
In Berlin kamen Tausende Schülerinnen und Schüler bei dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht zusammen. Während des Demonstrationszuges, der vor dem Brandenburger Tor begann, protestierten die Jugendlichen mit den Parolen „Bildung statt Bomben“, „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Wehrpflicht“ gegen die Aufrüstungspolitik und die Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen. Vor dem Sowjetischen Ehrenmal ertönten die Rufe „Alerta, alerta, antifascista!“. Die getragenen Palästinafahnen zeigten, dass viele Jugendliche den Kampf gegen den Krieg aus einer internationalen solidarischen und antiimperialistischen Perspektive betrachten. Während die Polizei während der gesamten Demonstration umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriff, wurde berichtet, dass es an einigen Stellen zu Festnahmen kam.
Die Demonstrationen waren nicht nur gegen den Krieg gerichtet, sondern trugen zugleich einen antifaschistischen und internationalistischen Charakter. Besonders das häufige Tragen von Palästinafahnen zeigte, dass viele Jugendliche den antimilitaristischen Kampf aus einer Perspektive internationaler Solidarität betrachten. Die Jugendlichen machten darauf aufmerksam, dass imperialistische Kriegspolitik in verschiedenen Teilen der Welt Zerstörung, Flucht und Unterdrückung hervorbringt.
Wie bereits beim Streik am 5. März ergriff die Polizei in vielen Städten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, und einige Schülerinnen und Schüler wurden festgenommen. Medienberichten zufolge drohte die Polizei in Essen mit Strafanzeigen, um die Entfernung eines Banners durchzusetzen, in Münster wurden die Personalien von Jugendlichen aufgenommen, die Parolen riefen, und in München kam es wegen eines Transparentes zu einer Festnahme.
Einige Jugendliche erklärten, dass Geheimdienstbehörden versucht hätten, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Zwei Jugendliche aus Kiel, die Teil der Schulstreikbewegung sind, berichteten in einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video, dass der Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt versucht hätten, mit ihnen Gespräche zu führen. Während Jugendliche ihre Stimmen gegen Kriegspolitik und die erneute Einführung der Wehrpflicht erheben, versuchen die Institutionen des deutschen Imperialismus, diese Bewegung mit Entwicklungspotenzial durch Druck und Einschüchterungsmethoden zu behindern.
Trotz aller Repressionen wird die Jugendbewegung keinen Schritt zurückweichen. Die Organisatoren erklärten, dass sie den Sommer über neue Kampagnen und Aktionen planen. Die heute in Deutschland wachsende Schüler- und Jugendbewegung ist nicht nur eine Reaktion gegen die Wehrpflicht, sondern tritt zugleich als Bewegung gegen Kriegspolitik, Aufrüstung und den Abbau sozialer Rechte hervor. Die Jugendlichen vertreten die Auffassung, dass die Zukunft nicht auf Krieg und Aufrüstung, sondern auf Bildung, Freiheit und Gleichheit aufgebaut werden muss.
Die von dem Roten Tücher Jugendkollektiv herausgegebene Erklärung wurde verteilt.
Die Schüler- und Jugendbewegung, die heute auf die Straße geht, protestiert nicht nur gegen die Wehrpflicht, sondern auch gegen das System, das Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit aufzwingt. Denn die Jugend ist die Zukunft; in welche Richtung sich diese Zukunft entwickeln wird, hängt von den Kämpfen ab, die heute geführt werden. Der Kapitalismus bietet nichts anderes als mehr Aufrüstung, mehr Krieg und mehr Ausbeutung. Eine wirkliche Zukunft ist nur mit dem Sozialismus möglich. Deshalb besteht die Aufgabe der Kommunisten nicht darin, diese Jugendbewegung mit Entwicklungspotenzial aus der Ferne zu beobachten, sondern sich in sie einzubringen, den organisierten Kampf zu stärken, die Wut der Schüler- und Jugendbewegung in eine revolutionäre Richtung zu tragen und sozialistische Ideen mit den jungen Generationen zu verbinden.
11.05.2026
TA Berlin
Trotzalledem Proletarier:innen aller Länder und unterdrückte Völker vereinigt euch!