1. MAI: EIN TAG, DER VOM KLASSENKAMPF ENTFERNT WIRD
Kurze Geschichte des 1. Mai
Der 1. Mai wird weltweit seit dem Jahr 1890 begangen. Dieses Datum, das als „Internationaler Tag der Einheit, des Kampfes und der Solidarität“ bezeichnet wird, hat seine Wurzeln in den Arbeiteraktionen, die am 1. Mai 1886 in Chicago begannen. Dass etwa 40.000 Arbeiter mit der Forderung nach dem Achtstundentag in den Streik traten, stieß auf die harte Intervention von Staat und Kapital; die Demonstrationen wurden blutig niedergeschlagen. Doch dieser Druck schwächte die Arbeiterbewegung nicht, sondern stärkte sie weiter. In den gesamten USA kam das Leben nahezu zum Stillstand. Die Arbeiter brachten erstmals ihre aus der Produktion kommende Kraft in einer derart organisierten und entschlossenen Weise zum Ausdruck.
Während des Streikprozesses nahmen die Angriffe auf die Arbeiter zu, während die herrschenden Klassen zur Zerschlagung des Streiks mit Straßengangs zusammenarbeiteten. Bei den Zusammenstößen verloren Arbeiter infolge von Polizeischüssen ihr Leben. Nach den Ereignissen wurden zahlreiche Arbeiter entlassen, und der Druck verstärkte sich. Gegen Arbeiterführer, europäische Migranten und insbesondere Deutsche wurden Prozesse eingeleitet. Albert Parsons, Adolph Fischer, George Engel und August Spies wurden hingerichtet. Parsons’ Aussage vor Gericht – „Wenn ich gehängt werde, dann nicht, weil ich schuldig bin, sondern weil ich ein Arbeiter bin“ – wurde zu einem der Symbole dieses Kampfes. An den Beerdigungen der Arbeiterführer nahmen Hunderttausende teil, und diese Ereignisse beeinflussten die internationale Arbeiterbewegung tiefgreifend. Auf dem 1889 abgehaltenen Zweiten Internationalen wurde auf Vorschlag eines französischen Arbeitervertreters beschlossen, den 1. Mai weltweit als „Tag der Einheit, des Kampfes und der Solidarität“ zu begehen.
Die 1.-Mai-Proteste in Berlin fanden erstmals im Jahr 1890 statt. Zu diesem Zeitpunkt rief ein Zusammenschluss internationaler Arbeiterparteien und Gewerkschaften, darunter auch die deutsche Sozialdemokratie, zu Demonstrationen mit der Forderung nach dem Achtstundentag auf. In Berlin versammelten sich etwa 20.000 Arbeiter an verschiedenen Treffpunkten und organisierten – da öffentliche Demonstrationen verboten waren – unter der Bezeichnung „Spaziergänge“ Märsche in Richtung Stadtrand. Die Teilnehmenden erkannten sich an roten Nelken, die sie an ihren Jacken trugen, und an roten Tüchern, die sie an ihre Spazierstöcke gebunden hatten. Seit diesem Zeitpunkt wurde der 1. Mai zu einem festen Datum im Kalender der Arbeiterbewegung.
Berlin, 1. Mai 2026
Das diesjährige Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes lautete: „Zuerst unsere Arbeit, dann eure Profite“. Der Marsch, der am Strausberger Platz begann, endete vor dem Roten Rathaus. Nach Angaben des DGB nahmen etwa 12.000 Menschen an dem Marsch teil, während die Polizei die Zahl mit 7.000 angab. Nach den Gewerkschaftsblöcken beteiligten sich auch Migrantenorganisationen mit eigenen Blöcken an der Demonstration. Nach dem Marsch entstand bei den Veranstaltungen vor dem Roten Rathaus mit Musik-, Essens- und Getränkeständen eine festivalartige Atmosphäre. Diese Situation zeigte, dass der kämpferische Inhalt des 1. Mai in den Hintergrund trat und der Tag zunehmend zu einem Konsumraum wurde.
Der gemeinsame Nenner der Reden während des Marsches war die Forderung nach dem Schutz der Arbeiter gegenüber wirtschaftlichen und sozialpolitischen Maßnahmen. Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes sprachen über Entlassungen, Kürzungen bei Sozialleistungen und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Die DGB Berlin-Brandenburg Vorsitzende Katja Karger betonte, dass die Beschäftigten nicht für politische und wirtschaftliche Fehler bezahlen dürften, und forderte die Stärkung des Tarifvertragssystems, ein Ende der Niedriglohnpolitik sowie den Schutz sicherer Beschäftigung. Andererseits konzentrierte sich der Vorsitzende der IG BAU, Robert Feiger, insbesondere auf die Rentendebatte und kritisierte Vorschläge zur Erhöhung des Renteneintrittsalters; er wies darauf hin, dass die langjährige Belastung von Beschäftigten in schweren Arbeitsbereichen außer Acht gelassen werde.
Beim 1. Mai-Marsch des Deutschen Gewerkschaftsbundes werden zwar Worte gegen Entlassungen und soziale Kürzungen geäußert; gleichzeitig wird jedoch kein offener und organisierter Widerstand gegen wachsende Militärbudgets, Militarismus und die den Arbeitern aufgebürdeten Krisenpolitiken entwickelt. Während von den Arbeitern Opfer verlangt werden, werden Ressourcen in Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen gelenkt; dennoch wird auf den Plätzen keine Linie aufgebaut, die die kapitalistische Ordnung direkt herausfordert.
Der 1. Mai ist historisch ein Tag des Aufstands gegen die Ausbeutungsordnung und der kollektiven Kraft. Dieser Tag sollte sich nicht nur auf das Vorbringen von Forderungen beschränken, sondern sich in einen Aufruf zum Kampf verwandeln, der sich gegen die Grundlagen des Systems richtet. Die Kraft der Arbeiter findet ihre wirkliche Bedeutung nur in einem organisierten Widerstand, der diese Grenzen überschreitet.
Revolutionärer 1. Mai
Für den revolutionären 1. Mai begann man um 18.00 Uhr, sich am Oranienplatz zu versammeln. Der Demonstrationszug konnte sich in diesem Jahr lange Zeit nicht vom Ausgangspunkt entfernen. Der Grund dafür war – anders als in den Vorjahren – nicht eine Polizeieinwirkung, sondern die Menschenmenge und die durch die festivalartige Atmosphäre verursachte Dichte entlang der Route. Diese auf der Straße entstandene „Feieratmosphäre“ verlangsamte den Ablauf der Demonstration und machte zugleich die Spannung zwischen dem kämpferischen Charakter des 1. Mai und seiner Unterhaltungsdimension sichtbar. Hunderte von Menschen, die die Route füllten und sich nicht am Demonstrationszug beteiligten, konzentrierten sich hingegen vor allem auf Essen, Trinken und Alkoholkonsum.
Nach Angaben der Polizei nahmen etwa 10.000, nach Angaben der Organisator:innen hingegen 30.000 Menschen an der revolutionären 1.-Mai-Demonstration teil. Kurz nach 19.00 Uhr setzte sich der Block des Bundes der Kommunisten mit dem Slogan „Lasst die Straße der roten Jugend“ in Bewegung und traf auf die feiernde Menschenmenge. Aufgrund der Dichte konnte nur der vordere Block die Menge durchbrechen und vorankommen. Während sich die organisierte Gruppe von etwa 3.000 Personen in Richtung Neukölln bewegte, positionierte sich die Polizei etwa 100 Meter vor dem Demonstrationszug. Ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit, Frieden, Solidarität“ wurde von rot maskierten Demonstranten über ihren Köpfen getragen; die dahinter aufragenden roten Fahnen verliehen der Demonstration eine einheitliche und starke visuelle Geschlossenheit.
Die hinteren Blöcke des Demonstrationszuges blieben hingegen zurück; ab 20.30 Uhr war es kaum noch möglich, von einer geschlossenen Demonstration zu sprechen. Am Oranienplatz formierten sich nach den vorne voranschreitenden revolutionären und antiimperialistischen Blöcken ein großer antifaschistischer Block sowie ein anarchistischer Block. Besonders der anarchistische Block setzte sich kurz nach 20.00 Uhr in Bewegung, und der Rhythmus der Demonstration nahm an diesem Punkt einen völlig anderen Ton an.
Mit dem Aufruf „Banner nach oben!“ wurden im antifaschistischen Block schwarze Regenschirme geöffnet, und mit den nacheinander entzündeten Fackeln wurde die Straße plötzlich in rote und blaue Töne getaucht. Der Lärm nahm zu, Feuerwerkskörper stiegen in den Himmel; inmitten einer etwa hundert Meter langen schwarzen Rauchwolke verschmolzen die leuchtenden Lichter mit dem dichten Rauch. Während rhythmische Slogans in der Menge widerhallten, verschwand der Oranienplatz zeitweise fast vollständig hinter dem Rauch.
In den Abendstunden, nach 22.00 Uhr, begann sich die feiernde Menschenmenge jedoch aufzulösen, und die Demonstration gewann wieder an Bewegung. Unerwartet konnten auch die hinteren Blöcke über eine verkürzte Route durch den Hermannplatz vorankommen und erreichten schließlich den Südstern, also den ursprünglich geplanten Endpunkt. Gegen 23.00 Uhr kam es bei der Ankunft stellenweise zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei; die Demonstration, die sich im Laufe des Tages verlangsamt und aufgespalten hatte, gewann in diesem Moment wieder eine gewisse Geschlossenheit.
Der Inhalt, der im revolutionären 1. Mai hervortrat, beschränkte sich nicht nur auf wirtschaftliche Forderungen, sondern erstreckte sich auf einen breiteren politischen Rahmen. Die entlang des Demonstrationszuges gerufenen Parolen und getragenen Banner brachten einen starken Protest gegen Kriegspolitiken und zunehmenden Militarismus zum Ausdruck; insbesondere traten Aufrufe zum Kampf gegen Rüstungsausgaben, Wehrpflicht und Kriegsvorbereitungen in den Vordergrund. Die Teilnehmenden betonten, dass gesellschaftliche Ressourcen nicht für Krieg, sondern für soziale Rechte und öffentliche Bedürfnisse verwendet werden sollten; Forderungen nach internationaler Solidarität und Frieden gehörten zu den zentralen Botschaften der Demonstration. In dieser Hinsicht machte die Demonstration deutlich, dass der 1. Mai nicht nur ein Tag ist, an dem über Arbeitsbedingungen gesprochen wird, sondern zugleich ein Tag, der eine breitere politische und gesellschaftliche Ausrichtung zum Ausdruck bringt.
1. Mai und die Zeitschrift „Trotz Alledem!“
Im Rahmen der Vorbereitungen auf den 1. Mai wurde die 45. Ausgabe unserer Fabrikzeitung unter dem Titel „Klasse gegen Klasse, für Sozialismus gegen Ausbeutung, gegen imperialistische Barbarei: Am 1. Mai auf die Straße!“ veröffentlicht. Die 45. Ausgabe der Zeitung wurde vor den Mercedes- und Rasierklingenfabriken verteilt; es wurden Gespräche mit Arbeitern geführt. Am 1. Mai selbst wurden während der DGB-Demonstration Flugblätter verteilt und die 98. Ausgabe unserer Zeitung verkauft.
Am Ausgangspunkt der revolutionären 1.-Mai-Demonstration hängten wir um 15.00 Uhr zwei Banner auf. Auf den Bannern standen folgende Parolen: „Deutsche Wehrmacht: Völkermordarmee! Kampf dem Faschismus und dem deutschen Imperialismus! Gegen das Kapital, die Armee und die Politik der BRD! Kampf dem imperialistischen Krieg!“ Während des Verkaufs unserer Zeitung führten wir politische Diskussionen mit denjenigen, die an unseren Stand kamen.
Diese an dem Versammlungsort aufgehängten Banner wurden von Tausenden von Menschen gesehen und fotografiert. Es gab auch Personen, die zusammen mit den Bannern Selfies machten. Außerdem wurde am Versammlungsort ein Infostand eröffnet, an dem die neuesten Ausgaben unserer Zeitung ausgestellt wurden. Es wurden Flugblätter verteilt und Zeitungen verkauft. Vor und während des 1. Mai wurden 1.000 Flugblätter und 32 Exemplare der Ausgabe 98 verkauft. Am Oranienplatz gab es außer uns niemanden, der Banner aufgehängt hatte. Wir sind der Meinung, dass wir in diesem Jahr im Hinblick auf Agitation und Propaganda eine erfolgreiche Tätigkeit durchgeführt haben.
Tradition des Kampfes und sich verändernde Formen der Feier
Der 1. Mai ist ein Produkt der mit Blut geschriebenen Geschichte der Arbeiter:innenklasse. Dieser Tag ist ein Kampftag, der von den Arbeitern, die sich gegen Ausbeutung erhoben haben, unter Opfern errungen wurde. Doch die Bourgeoisie suchte, als sie den 1. Mai nicht verbieten konnte, nach Wegen, ihn zu verändern, und versuchte, ihn durch die Entleerung seines Inhalts wirkungslos zu machen. Dass heute versucht wird, den 1. Mai inhaltsleer zu feiern, ist ein Ergebnis der Verwischung seines Klassencharakters. Gewerkschaftsbürokraten, die Schlüsselpositionen der kapitalistischen Ordnung besetzen, wurden Teil dieses Prozesses. Die Straßen, einst Orte des Widerstands und des Aufstands, wurden zunehmend in Konsum- und Unterhaltungsräume verwandelt. Dabei ist der 1. Mai seinem Wesen nach ein Tag, an dem die Fahne des Aufstands gegen die kapitalistische Ausbeutungsordnung erhoben wird, an dem die Arbeiter ihre eigene Kraft erkennen und den kollektiven Kampf ausweiten.
Eines der wichtigsten Hindernisse dafür, dass die Arbeiter:innenklasse und die Werktätigen die Realität erkennen und einen organisierten Kampf gegen die Ausbeutungsordnung entwickeln, ist der Reformismus. Heute handelt ein bedeutender Teil der Gewerkschaften und Konföderationen, die die breitesten Organisationen der Arbeiterklasse darstellen, nicht als Strukturen, die gegen die Bourgeoisie kämpfen, sondern folgt vielmehr einer Linie der Klassenzusammenarbeit. Die Gewerkschaftsbürokratie, die in diesen Strukturen das Sagen hat, löst die Rechte und Forderungen der Arbeiter auf einer Grundlage des Ausgleichs mit dem Kapital auf und begrenzt den Kampf. Diese bürokratische Struktur wird im Gegenzug für die von ihr erlangten Privilegien zu einer der Stützen des Systems innerhalb der Arbeiterklasse und übernimmt eine Rolle, die im Widerspruch zu den tatsächlichen Interessen der Werktätigen steht.
Die grundlegende Kraft, der die Arbeiter:innenklasse gegenübersteht, ist nicht diese oder jene Form des Kapitals, sondern die Kapitalherrschaft als Ganzes und die Ordnung der Lohnarbeit. In dieser Ordnung hat der Arbeiter nichts anderes zu verlieren als die Ausbeutungsbedingungen, die ihn fesseln. Doch dieser Zustand ist weder unvermeidlich noch unveränderlich. Der Kapitalismus ist kein Schicksal; er ist ein historisches System und kann überwunden werden. Es gibt eine Alternative zu dieser Ordnung. Entscheidend ist, dass die Arbeiter sich ihrer eigenen Kraft bewusst werden, sich zusammenschließen und sich um ihre gemeinsamen Interessen organisieren. Je mehr sich das Bewusstsein verbreitet, dass die Produzierenden zugleich auch die Leitenden sein können, desto mehr werden die auf Ausbeutung beruhenden Verhältnisse in Frage gestellt. Wenn die Arbeiter:innen als kollektive Kraft handeln, werden die Grenzen der bestehenden Ordnung herausgefordert und die Möglichkeit einer neuen gesellschaftlichen Ordnung tritt hervor. Diese Perspektive ist Ausdruck der Suche nach einer Gesellschaft, in der der Wert der Arbeit im Mittelpunkt steht und die Menschen in Gleichheit und Solidarität leben können.
Der 1. Mai ist ein Tag des Aufstands, des Widerstands und des Kampfes gegen den Kapitalismus. Heute steht vor uns als dringende Aufgabe, den Kampf gegen den Kapitalismus, den Krieg, die Krise und gegen Auffassungen, die versuchen, den 1. Mai von seinem Inhalt zu lösen und ihn wirkungslos zu machen, zu verstärken. In einer Zeit, in der die revolutionäre Bewegung geschwächt wird, gewinnt es noch größere Bedeutung, den wirklichen Sinn des 1. Mai zu verteidigen und die Maske der Gewerkschaftsbürokratie zu entlarven, die den Kampf der Arbeiter einschränkt.
Die Entleerung des Inhalts des 1. Mai und seine Umwandlung in einen gewöhnlichen Unterhaltungstag sowie die Versuche, ihn zu einem Teil der Konsum- und Spektakelkultur zu machen, stehen im Widerspruch zum historischen Geist dieses Tages. Der revolutionäre 1. Mai hingegen ist ein Aufruf zum Kampf, der sich in den getragenen Bannern, den gerufenen Parolen und den gehaltenen Reden klar zum Ausdruck bringt.
Trotz allem werden die Tage kommen, an denen der 1. Mai frei, massenhaft und in seinem wirklichen Sinn begangen wird. Der 1. Mai ist rot und wird rot bleiben. Der Kampf gegen die Verdunkelung dieser Farbe dauert an und wird andauern.
Anhänger:innen von „Trotz alledem Berlin“, 2. Mai 2026

Hamburg:
Der 1. Mai wurde in Hamburg mit der Teilnahme von Tausenden begangen
Der 1. Mai ist der „Tag der Einheit, des Kampfes und der Solidarität“ der internationalen Arbeiter:innenklasse. In Hamburg wurde im Stadtteil Altona vom Deutschen Gewerkschaftsbund unter dem Motto „Zuerst unsere Arbeit, dann eure Profite“ eine Demonstration organisiert. An der Demonstration nahmen etwa 10.000 Menschen teil.
Bei der vom DGB organisierten 1. Mai-Demonstration beteiligten sich auch Migrant:innenorganisationen in erheblichem Umfang. Als Anhänger:innen von „Trotz allem“ und YDİ Çağrı nahmen auch wir an dieser Demonstration teil. Hinter unserem Banner „Nein zu imperialistischen Kriegen! Klassenkampf gegen den imperialistischen Staat!“ bildeten wir unseren Block.
Wir verteilten das von „Trotz allem“ herausgegebene Flugblatt mit dem Titel „Klasse gegen Klasse, für Sozialismus gegen Ausbeutung, gegen imperialistische Barbarei: Am 1. Mai auf die Straße!“ Während der Demonstration verkauften wir außerdem die 98. Ausgabe der Zeitung „Trotz allem“ und trugen die Fahnen von YDİ Çağrı.
Nach einem etwa 4 Kilometer langen Marsch endete die Veranstaltung mit Reden am Fischmarkt.
Leser:innen von „Trotz allem“ und YDİ Çağrı Hamburg 3. Mai 2026

Ulm
1. Mai Demonstrationen 2026 – Ulm an der Donau
In Ulm demonstrierten am 1. Mai an einem sonnigen Tag rund 700 Menschen. An den auf Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) organisierten Demonstrationen und Feierlichkeiten nahmen deutsche und migrantische demokratische, revolutionäre und auch religiöse Organisationen teil.
Bei der Demonstration nahmen wir als TA („Trotz alledem“) sowie die Zeitschrift „Aufruf für eine neue Welt“ mit eigenem Block und Fahnen mit etwa 30 Personen teil. Auf dem Versammlungsplatz und während der Demonstration haben wir etwa 400 deutschsprachige 1. Mai-Flugblätter von TA sowie etwa 50 türkischsprachige Flugblätter der Zeitschrift „Aufruf für eine neue Welt“ verteilt.
Während der Demonstration gehörten zu den häufig gerufenen Parolen „Es lebe die internationale Solidarität“, „Es lebe der 1. Mai“, „Nieder mit dem Kapitalismus“ und „Der 1. Mai ist rot und wird rot bleiben“. Eine Leser:in der Zeitschrift TA verlas während der Demonstration das deutschsprachige 1. Mai-Flugblatt von TA laut über einen Lautsprecher. Es wurde festgestellt, dass das verlesene Flugblatt auf Interesse stieß und von den Teilnehmenden mit Zustimmung aufgenommen wurde. Während der Demonstration wurden überwiegend die Fahnen der Zeitschrift TA sowie der Zeitschrift „Aufruf für eine neue Welt“ getragen. An einer Wand am Eingang des Versammlungsortes wurde ein Plakat der Zeitschrift TA mit dem Titel „Schichtwechsel: Regierung ans Band, Arbeiter an die Macht“ aufgehängt. Es wurde beobachtet, dass dieses Plakat, das großes Interesse erregte und häufig aufgenommen wurde, auch von den Sicherheitskräften dokumentiert wurde. Außerdem wurde festgestellt, dass eine Fahne von TA an einem Ast eines Baumes im Eingangsbereich befestigt war.
Ein weiterer auffälliger Punkt ist, wie auch in den vergangenen Jahren zu beobachten war, dass die Teilnahme an der Demonstration von Jahr zu Jahr abnimmt und die Menschen die 1. Mai-Feiern losgelöst von ihrem Inhalt und historischen Zusammenhang bewerten und als einen gewöhnlichen Tag betrachten. Diese Situation ist zweifellos nicht nur das Ergebnis der Banalisierung des 1. Mai durch Gelbe Gewerkschaften, sondern zugleich auch eine Folge der Fehler und Mängel revolutionärer und demokratischer Institutionen und Organisationen.
In den kommenden Jahren müssen zivilgesellschaftliche Organisationen und Strukturen, die sich als demokratisch, revolutionär und sozialistisch und kommunistisch definieren unbedingt unabhängige 1. Mai-Plattformen schaffen und den 1. Mai entsprechend seinem historischen Charakter organisieren – im Sinne eines Roten 1. Mai und im Gegensatz zu den systemstützenden, als Anhängsel des Kapitalismus fungierenden gelben Gewerkschaften. Diese Aufgabe ist für alle revolutionären und sozialistischen Institutionen und Organisationen eine historische und vorrangige Verantwortung.
Im Prozess der Schaffung dieser unabhängigen Plattform erklären wir als deutsche und nordkurdistanisch-türkische Bolschewiken, dass wir bereit sind, die uns zukommenden Verantwortungen zu erfüllen, im Rahmen unserer Möglichkeiten jede Art von Unterstützung zu leisten und die notwendigen Arbeiten zu machen.
Es lebe der rote 1. Mai!
Der 1. Mai ist rot und wird rot bleiben!
Entweder Sozialismus oder Barbarei — nieder mit dem Kapitalismus!
Leser:innen von „Trotz allem“ und YDİ Çağrı aus Ulm an der Donau, 2. Mai 2026

Aachen:
Der Demonstrationszug am 1. Mai startete wie gewohnt um 12 Uhr vor dem Aachener Gewerkschaftshaus. Im Bewusstsein der kämpferischen Tradition dieses Tages waren bereits lange vor Beginn zahlreiche Menschen vor Ort und warteten ungeduldig auf den Start. Es handelte sich dabei um eine vergleichsweise kleine Gruppe von Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich der kämpferischen Geschichte des 1. Mai verbunden fühlten.
Der Aufruf des DGB lautete: „Unter dem Motto ‚Erst unsere Jobs, dann eure Profite‘ gehen wir am 1. Mai 2026 auf die Straße – kämpferisch, solidarisch und entschlossen. Arbeitsplätze geraten unter Druck, Standorte werden verlagert, soziale Sicherheit wird infrage gestellt. Gleichzeitig sollen wir länger arbeiten, mehr leisten und mit weniger auskommen. Das machen wir nicht mit.
Komm auch du zu einer unserer traditionellen 1.-Mai-Kundgebungen und setze gemeinsam mit uns ein sichtbares Zeichen für Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Dafür kämpfen wir – am 1. Mai und an jedem anderen Tag im Jahr.“
Der Demonstrationszug setzte sich um 12 Uhr in Bewegung und erreichte nach etwa 3,5 Kilometern den Kundgebungsplatz. An der Demonstration nahmen rund 1.200 Menschen teil. Der Kundgebungsplatz wirkte dabei eher wie ein Festgelände. Statt an einen Tag zu erinnern, der in der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung durch jahrzehntelange Kämpfe und Opfer erstritten wurde, glich das Geschehen eher einem Straßenfest.
Der historische Charakter des 1. Mai wurde dadurch weitgehend entleert und in ein gewöhnliches Feiertags- und Unterhaltungsereignis verwandelt. Auch die 1.-Mai-Plakate des DGB sowie die auf der Bühne gehaltenen Redebeiträge vermittelten insgesamt den Eindruck einer sozialpartnerschaftlichen Politik. Ebenso zeigt die Praxis der Gewerkschaften in den Betrieben, im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor, wie eng sie mit dem bestehenden System und der Politik der Sozialpartnerschaft verbunden sind.
In solchen Zeiten ist nicht zu erwarten, dass diese Gewerkschaften die Beschäftigten an Kampftagen im Sinne der historischen Arbeiter:innenbewegung mobilisieren oder ihnen ein kämpferisches Bewusstsein vermitteln. Vielmehr fungieren sie als institutionelle Vertreter innerhalb des bestehenden Systems. Ihr Ziel ist es häufig, die Arbeiter:innenklasse von grundlegender Systemkritik fernzuhalten und sie in kontrollierbare Bahnen zu lenken.
In der Städteregion Aachen sind derzeit rund 140.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig (Stand: Mitte 2025).
Davon entfallen etwa:
– Industrie: ca. 20.000
– Öffentlicher Dienst: ca. 20.000–25.000
– Soziales und Gesundheit: ca. 25.000
Von diesen Beschäftigten sind etwa 35.000–40.000 gewerkschaftlich organisiert, darunter:
– ver.di: ca. 18.000–25.000
– IG Metall: ca. 12.000–15.000
– NGG: ca. 4.000–5.000
– IG BCE: ca. 1.500–3.000
Trotz dieser Zahlen und trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage nahmen nur etwa 1.200 Menschen an der 1.-Mai-Demonstration teil.
Trotz wachsender Ausbeutung, Arbeitslosigkeit, zunehmender Armut, Wohnungsnot, steigender Lebenshaltungskosten und unsicherer Zukunftsaussichten sowie trotz einer Politik, die stärker auf Aufrüstung, Militarisierung und internationale Spannungen als auf Frieden setzt, bleibt die Beteiligung gering. In immer mehr Ländern sind rechte und faschistische Parteien an der Macht, während sich die globale Umweltkrise weiter verschärft.
Hunderttausende Arbeitsplätze werden abgebaut, Betriebe und Ausbildungsstätten geschlossen. Löhne und Renten stagnieren oder sinken, während Mieten sowie Energie- und Benzinpreise steigen. Die Lasten dieses kapitalistischen Systems werden auf die Schultern der Arbeiterinnen und Arbeiter abgewälzt.
Trotz all dieser Entwicklungen bleibt die Beteiligung am 1. Mai begrenzt, und der öffentliche Raum wird häufig Kräften überlassen, die eine sozialpartnerschaftliche Linie vertreten und das Klassenbewusstsein eher abschwächen als stärken.
Wir sind jedoch überzeugt, dass diese negative Situation für die Arbeiter:innen- und Werktätigenklasse nur vorübergehender Natur ist.
Mit dieser Überzeugung haben wir auch bei der diesjährigen 1.-Mai-Demonstration und Kundgebung, die in einer zugleich wirkungslosen und festlichen Atmosphäre stattfand, konsequent für unsere Ziele gearbeitet.
Wir sind im gesamten Demonstrationszug mitgelaufen, haben unsere Fahnen und Transparente getragen und unsere Parolen lautstark gerufen. Wir marschierten unter anderem mit dem Transparent:
„Kämpft für Frieden! Kämpft für die Zerschlagung des imperialistischen Systems! Trotz alledem“.
Unsere zum 1. Mai herausgegebene Fabrikzeitung haben wir wirkungsvoll und so breit wie möglich verteilt. Darüber hinaus brachten wir unsere aktuellen Zeitungen, Flugblätter und Bücher an interessierte Arbeiterinnen und Arbeiter sowie an Freund:innen und Unterstützer.
Trotz aller Behinderungen durch die DGB-Gewerkschaftsführung eröffneten wir auf dem Kundgebungsplatz unseren Info- bzw. Büchertisch und setzten unsere Propagandaarbeit entschlossen fort. Zudem kamen wir mit zahlreichen fortschrittlichen und revolutionären Menschen sowie mit Arbeiterinnen und Arbeitern ins Gespräch. Wir diskutierten viele aktuelle Fragen, tauschten Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte.
Insgesamt war die Aktion aus unserer Sicht erfolgreich und sehr produktiv.
TA NRW




Trotzalledem Proletarier:innen aller Länder und unterdrückte Völker vereinigt euch!