Vom 10. bis 12. Juli 2026 organisierten antifaschistische und antimilitaristische Kräfte in Berlin-Wedding gemeinsame Protestaktionen gegen die Umwandlung der ehemaligen Pierburg-Fabrik in eine Munitionsfabrik. Auslöser der Proteste war die Entscheidung, das Werk, das seit vielen Jahren als Teil des Rheinmetall-Konzerns Automobilteile produziert hatte, künftig für die Munitionsproduktion zu nutzen.
Dass in Berlin erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Waffen für die Rüstungsindustrie produziert werden sollen, machte dieses Vorhaben zu einem der wichtigsten politischen Auseinandersetzungspunkte der Antikriegsbewegung.
Diese Entwicklung bedeutete weit mehr als die bloße Umstellung der Produktion eines einzelnen Werks. Sie stellte vielmehr einen konkreten Schritt im Rahmen der Wiederaufrüstungspolitik des deutschen Imperialismus, der Ausrichtung auf eine Kriegswirtschaft sowie des Ausbaus der militärischen Produktionskapazitäten dar.
Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion wurde gegründet, um eine gemeinsame Widerstandsfront gegen die Pläne von Rheinmetall zu entwickeln, die ehemalige Pierburg-Fabrik im Berliner Stadtteil Wedding auf die Produktion von Munition umzustellen. Im Bündnis sind Gewerkschaften, Stadtteilinitiativen, Antikriegs- und antifaschistische Gruppen, Jugendorganisationen sowie sozialistische und kommunistische Organisationen beteiligt. Sie kommen zwar aus unterschiedlichen politischer Richtungen aber sie alle schätzen die Rückkehr der Rüstungsproduktion nach Berlin nicht als ein lokales Problem einer einzelnen Fabrik ein. Sondern ein Beispiel der beschleunigten Wiederaufrüstung Deutschlands und seiner zunehmend militaristischen Politik.
In seinen öffentlichen Erklärungen wendet sich das Bündnis gegen die geplante Munitionsproduktion in der ehemaligen Pierburg-Fabrik von Rheinmetall und fordert, dass öffentliche Gelder nicht in Aufrüstung und Krieg, sondern in Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und soziale Dienstleistungen investiert werden. Zugleich tritt das Bündnis für den Aufbau eines breiten gesellschaftlichen Widerstands gegen die Militarisierung aller Bereiche des öffentlichen Lebens ein.
Zu diesem Zweck organisierte das Bündnis vom 10. bis 12. Juli 2026 unter dem Motto „Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg“ ein dreitägiges Aktionsprogramm. Mit Podiumsdiskussionen, Foren, kulturellen Veranstaltungen und einer Demonstration protestierten die Teilnehmer:innen sowohl gegen die geplante Waffenproduktion von Rheinmetall als auch gegen die Wiederaufrüstung und Kriegsvorbereitungen Deutschlands. Gleichzeitig sollte in der Öffentlichkeit ein stärkeres Bewusstsein für diese Entwicklungen geschaffen werden.
Erster Tag (10. Juli 2026)
Die Aktionstage starteten mit der Eröffnung des Aktionscamps im Volkspark Humboldthain. Das Camp wurde während der gesamten drei Tage als zentrales Veranstaltungs- und Koordinierungszentrum genutzt. Informationsstände wurden aufgebaut sowie Vorträge, Ausstellungen, Musik- und Theateraufführungen und kreative Workshops organisiert. Gleichzeitig war das Camp ein Ort der Begegnung, Koordinierung und des Erfahrungsaustauschs für Antikriegsorganisationen und Aktivist:innen aus verschiedenen Städten. Neue Kontakte wurden geknüpft, gemeinsame Kampferfahrungen ausgetauscht und die Grundlagen für künftige gemeinsame Aktionen gestärkt.
Das Programm am Freitag, dem 10. Juli, begann mit der Podiumsdiskussion „Wir sterben nicht für eure Kriege – Gemeinsam gegen Wehrpflicht!“. Neben Simon David Dreßler sprachen Vertreterinnen und Vertreter des Schulstreikkomitees, der IG BAU Jugend sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Pläne zur Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland, die Militarisierung der Jugend sowie mögliche Formen eines gemeinsamen Widerstands dagegen. Die Redner:innen prangerten an, dass die Bundesregierung im Rahmen ihres Projektes eine „kriegstüchtige Gesellschaft“ zu entwickeln nicht nur die Waffenproduktion ausbauen wolle, sondern zugleich darauf hinarbeite, die junge Generation stärker in die Kriegspolitik einzubinden. In diesem Zusammenhang wurde hervorgehoben, dass der Kampf gegen die Wehrpflicht ein untrennbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Widerstands gegen Wiederaufrüstung und Militarisierung sei.
Die Teilnehmer:innen berichteten zudem anhand konkreter Beispiele über ihre Aufklärungs- und Mobilisierungsarbeit gegen die Wehrpflicht in Schulen, Hochschulen, Stadtteilen und anderen öffentlichen Bereichen. Dabei wurde hervorgehoben, dass diese Aktivitäten insbesondere unter Jugendlichen auf wachsendes Interesse stoßen und zunehmend positive Resonanz finden.
Am selben Tag fand vor dem Jobcenter am Leopoldplatz eine Kundgebung unter dem Motto „Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr!“ statt. Dabei wurden die Folgen der Kriegswirtschaft für die Arbeiter:innen verdeutlicht. In den Redebeiträgen wurde betont, dass Kürzungen im Sozialbereich, Lohndruck und die zunehmende Militarisierung der Arbeitswelt zu den zentralen Bestandteilen der in Deutschland vorangetriebenen Kriegswirtschaft gehören. Kritisiert wurde außerdem die im November 2024 zwischen Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Bundesagentur für Arbeit geschlossene Kooperationsvereinbarung, die die Personalgewinnung für die Bundeswehr unterstützen soll. Die Redner:innen prangerten an, dass die Kosten der Kriegspolitik auf Beschäftigte, Erwerbslose und Sozialleistungsbeziehende abgewälzt werden und riefen zu internationaler Solidarität sowie zum gemeinsamen Kampf der Arbeiter:innen auf.
Eine weitere Podiumsveranstaltung war: „Von Ulm nach Piräus, von Genua nach Bristol, Hamburg und Rotterdam: Internationaler Widerstand gegen den Völkermord“. Vertreter:innen von Workers for a Free Palestine aus Großbritannien sowie Aktivist:innen von Peacefully Against Genocide aus Hamburg und Berlin berichteten über ihre Erfahrungen. Im Mittelpunkt stand die Rolle Deutschlands bei den israelischen Angriffen auf Gaza durch Waffenproduktion und Waffenexporte sowie verschiedene Formen des Widerstands dagegen. Diskutiert wurden direkte Aktionen zur Verhinderung von Waffenlieferungen, Hafenblockaden, Initiativen gegen die Waffenproduktion sowie Solidaritätskampagnen für Aktivist:Innen, die wegen solcher Proteste strafrechtlich verfolgt werden.
Die Diskussion machte deutlich, dass Widerstand an jedem Glied der internationalen Waffenlieferketten die Fortführung des Krieges erschwert und deshalb internationale Solidarität von entscheidender Bedeutung ist. Die erfolgreichen Aktionen von Hafen- und Logistikbeschäftigten gegen die Kriegswirtschaft sind zu einem Vorbild für Kolleg:innen in anderen Regionen geworden. Dass entlassene Beschäftigte infolge gerichtlicher Entscheidungen an ihre Arbeitsplätze zurückkehren konnten, war ein wichtiger Erfolg gewertet. Dies hat zahlreiche Beschäftigte ermutigt, auch in ihren eigenen Betrieben offen gegen Krieg und Aufrüstung sich zu positionieren.
In der Podiumsdiskussion „Arbeiten im Schatten der Militarisierung“ ging es um die Auswirkungen der Kriegsvorbereitungen auf das Arbeitsleben der Beschäftigten. Arbeiter:innen aus dem Gesundheitswesen, der Logistik, der Industrie sowie aus dem Technologie- und IT-Bereich berichteten über die Veränderungen, die die Kriegswirtschaft in ihren Arbeitsfeldern mit sich bringt, und diskutierten mögliche Formen des Widerstands. Dabei wurde betont, dass sich die Militarisierung nicht auf die Rüstungsindustrie beschränkt, sondern zunehmend alle Bereiche des Arbeitslebens – vom Gesundheitswesen über die Logistik und die industrielle Produktion bis hin zum Technologiesektor – erfasst. Ein Fazit ist der Widerstand gegen die Kriegswirtschaft müsse auch in den Betrieben und Gewerkschaften organisiert werden.
Vertreterinnen und Vertreter eines demokratischen Arztes sowie demokratische Gewerkschafter:innen schilderten aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrungen.
Ein Vertreter der Ärzt:innen erklärte, dass sich im Falle eines Krieges sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Gesundheitswesen als auch die Situation der Patient:innen erheblich verschlechtern würden. Zugleich werde versucht, die Aufgabe des medizinischen Personals darauf zu reduzieren, verwundete Soldaten möglichst schnell wieder fronttauglich zu machen. Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen lehnen dies aus ethischen und humanitären Gründen ab. Sie wollen nicht dazu beitragen, neue Soldaten für den Krieg bereitzustellen, und deshalb ist es notwendig den Widerstand gegen Krieg und Militarisierung bereits heute zu organisieren.
Der Gewerkschafter erklärte, dass die Kenntnis der Rechte der Arbeiter:innen ihnen ermögliche, den Kampf in den Betrieben entschlossener und wirkungsvoller zu führen. Er berichtete, dass der Rechtsstreit gegen die Entlassung eines Straßenbahnfahrers in München, der sich geweigert hatte, eine mit kriegspropagandistischen Werbeanzeigen beklebte Straßenbahn zu fahren, weiterhin andauere und die Erfolgsaussichten des Verfahrens als sehr hoch eingeschätzt würden. Die Arbeiter:innen müssten ihre Rechte nicht nur durch den praktischen Kampf, sondern auch durch den konsequenten Einsatz rechtlicher Mittel verteidigen.
Das Programm des ersten Tages endete mit dem politischen Theaterstück „Hoppla wir sterben! Rheinmetall – eine deutsche Geschichte“, aufgeführt vom Theater X. Das Stück zeichnete die rund 150-jährige Geschichte Rheinmetalls im Zusammenhang mit der Entwicklung des deutschen Militarismus und der Rüstungsindustrie nach. Die Aufführung verband antimilitaristische und antifaschistische politische Botschaften mit musikalischen und theatralischen Elementen. Die gelungene Verbindung von künstlerischem Ausdruck und politischem Inhalt fand beim Publikum großen Anklang. Zugleich wurde verdeutlicht, dass es im Laufe der Geschichte zwar immer wieder Kämpfe gegen Krieg, Aufrüstung und Militarismus gegeben habe, diese jedoch keine dauerhafte gesellschaftliche Veränderung herbeiführen konnten. Wir, Trotz alledem! finden diese Position aber falsch: Natürlich haben Kämpfe gegen Krieg, Aufrüstung und Militarismus dauerhafte gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt. So die französische Revolution, die Pariser Kommune, die Räterepublik in Deutschland, Novemberrevolution vor allem aber die russische Revolution 1917.
Vor diesem Hintergrund wurde die Rolle Rheinmetalls als eines der größten Waffenproduzenten und -exporteure der Welt kritisch auf die Bühne gebracht.

Zweiter Tag (11. Juli 2026)
Der zweite Aktionstag, Samstag, der 11. Juli, stand im Zeichen einer Großdemonstration gegen die Pläne von Rheinmetall, mit der Waffenproduktion zu beginnen. Die Demonstration startete am Hanne-Sobek-Platz in Gesundbrunnen und führte bis zum Rheinmetall-Standort in Wedding. Nach Angaben der Berliner Polizei nahmen rund 1.800 Menschen teil, während die Organisator:innen die Zahl der Teilnehmer:innen auf 4.000 bis 5.000 schätzten.
Während der Demonstration wurden palästinensische Fahnen getragen und Antikriegsslogans gerufen. Die Teilnehmenden kritisierten die deutschen Waffenlieferungen an Israel und machten deutlich, dass auch die deutsche Rüstungsindustrie und die Bundesregierung Mitverantwortung für die Zerstörung in Gaza tragen. Mehrfach wurde der Demonstrationszug von der Polizei angehalten, weil einige Teilnehmer:innen ihre Gesichter verdeckt hatten. Dennoch erreichte die Demonstration unter starkem Polizeiaufgebot auf der vorgesehenen Route das Rheinmetall-Werk.
Auf der Abschlusskundgebung wurde betont, dass die Umwandlung des Werks in eine Waffenfabrik nicht lediglich ein lokales Problem des Stadtteils Wedding sei, sondern einen konkreten Bestandteil der beschleunigten Wiederaufrüstungspolitik Deutschlands darstelle.
Darüber hinaus riefen die Redner:innen dazu auf, den gemeinsamen Widerstand von Gewerkschaften, Stadtteilinitiativen und der Antikriegsbewegung weiter auszubauen.
Während der Demonstration wurden Transparente und zahlreiche selbst gestaltete Schilder der Teilnehmer:innen mit Forderungen wie „Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg!“, „Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr!“, „Geld für den Kiez statt Waffen für den Krieg!“, „Stop Arming Israel“, „Free Palestine“ und „Rheinmetall entwaffnen!“ getragen. Sie verliehen dem Protest einen deutlich antimilitaristischen Charakter. Neben den zahlreichen palästinensischen Fahnen wurden immer wieder die Parolen „Hoch die internationale Solidarität!“ sowie „Deutsche Waffen, deutsches Geld – morden mit in aller Welt!“ gerufen.
Sonntag, 12. Juli
Die Abschlussveranstaltung am Sonntag, dem 12. Juli, bestand aus dem Abschlussforum und Koordinationstreffen unter dem Motto „Wie führen wir den Kampf weiter? Natürlich gemeinsam!“. Im Forum wurden die Aktivitäten der vergangenen drei Tage ausgewertet und darüber beraten, wie der Widerstand gegen die geplante Waffenproduktion von Rheinmetall künftig fortgesetzt werden kann. Aktivist:innen verschiedener Organisationen und Initiativen tauschten ihre Erfahrungen aus und diskutierten Möglichkeiten, die gemeinsame Zusammenarbeit und Koordinierung weiter zu stärken.
An den dreitägigen Aktionen und Veranstaltungen beteiligten sich auch Aktivist:innen von Trotz Alledem (TA). Während der gesamten Aktionstage unterstützten wir die Antikriegsaktivitäten und führten zahlreiche Gespräche.
Insbesondere am 10. und 11. Juli verkauften wir die 98. Ausgabe der Zeitschrift und verteilten Info-flugblätter.

Schlussfolgerung
Während die Wiederaufrüstung in Deutschland weiter vorangetrieben wird, die Rüstungsindustrie ausgebaut, die Gesellschaft zunehmend militarisiert und die Wiedereinführung der Wehrpflicht erneut auf die politische Tagesordnung gesetzt wird, zeigt sich, dass der deutsche Imperialismus seine Kriegsvorbereitungen systematisch vorantreibt.
Gleichzeitig stellen sich revolutionäre, linke, antimilitaristische, antifaschistische, antiimperialistische Aktivist:innen, Jugendorganisationen, Gewerkschaften, sowie sozialistische und kommunistische Organisationen – wenn auch bislang noch nicht in dem erforderlichen Ausmaß – dieser Entwicklung entgegen und organisieren den Widerstand gegen Krieg und Militarismus. Wir kämpfen dafür die Kriegspolitik des deutschen Imperialismus öffentlich anzuprangern und eine gemeinsame Widerstandsfront aufzubauen. Die Gründung des Berliner Bündnisses gegen Waffenproduktion und die Aktionstage in Wedding sind ein konkretes Beispiel für diese Entwicklung.
Die gemeinsamen Ziele des Widerstands standen in den dreitägigen Aktionen im Mittelpunkt. Die verschiedenen Organisationen und Initiativen entschieden sich dafür, nach außen mit einem geschlossenen antikriegsorientierten Auftreten aufzutreten.
So umfassend die Kriegsvorbereitungen auch sein mögen – jede Stimme gegen den Krieg, jede organisierte Aktion und jede Form gemeinsamer Organisierung schafft wichtige Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung der Antikriegsbewegung. Auch die dreitägigen Aktionen in Wedding waren Teil dieses Prozesses. Unabhängig von den heutigen Grenzen der Bewegung zeigt die Existenz eines organisierten Widerstands gegen die Kriegspolitik, dass die Voraussetzungen für die Entwicklung einer stärkeren und breiteren Antikriegsbewegung vorhanden sind. In diesem Sinne ist die Stimme des Widerstands, die im Wedding hörbar wurde, nicht nur Ausdruck des heutigen Kampfes, sondern zugleich eine Hoffnung die die künftige Entwicklung dieser Bewegung.
Die Kriegsprofiteure und ihre politischen Vertreter wünschen sich eine Gesellschaft, in der Kriegsvorbereitungen widerspruchslos hingenommen werden – einen „Rosengarten ohne Dornen“. Doch es werden sich immer mehr Antimilitarist:innen und Arbeiter:innen sich dem verweigern. Wir alle werden diesen Kampf gegen Krieg, Militarismus und imperialistische Aggression fortsetzen und weiterhin die Kriegspolitik des deutschen Imperialismus anprangern. Denn diese Politik bringt der Menschheit weder Frieden noch Freiheit, sondern mehr Ausbeutung, mehr Zerstörung und mehr Barbarei. Deshalb die Verstärkung des Antikriegskampfes nicht nur eine Aufgabe der Gegenwart, sondern eine historische Verantwortung gegenüber der Zukunft der Menschheit.
12. Juli 2026, Berlin – TA
Trotzalledem Proletarier:innen aller Länder und unterdrückte Völker vereinigt euch!