Bericht zur 1.-Mai-Demonstration

Der Demonstrationszug am 1. Mai startete wie gewohnt um 12 Uhr vor dem Aachener Gewerkschaftshaus. Im Bewusstsein der kämpferischen Tradition dieses Tages waren bereits lange vor Beginn zahlreiche Menschen vor Ort und warteten ungeduldig auf den Start. Es handelte sich dabei um eine vergleichsweise kleine Gruppe von Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich der kämpferischen Geschichte des 1. Mai verbunden fühlten.

Der Aufruf des DGB lautete: „Unter dem Motto ‚Erst unsere Jobs, dann eure Profite‘ gehen wir am 1. Mai 2026 auf die Straße – kämpferisch, solidarisch und entschlossen. Arbeitsplätze geraten unter Druck, Standorte werden verlagert, soziale Sicherheit wird infrage gestellt. Gleichzeitig sollen wir länger arbeiten, mehr leisten und mit weniger auskommen. Das machen wir nicht mit.

Komm auch du zu einer unserer traditionellen 1.-Mai-Kundgebungen und setze gemeinsam mit uns ein sichtbares Zeichen für Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Dafür kämpfen wir – am 1. Mai und an jedem anderen Tag im Jahr.“

Der Demonstrationszug setzte sich um 12 Uhr in Bewegung und erreichte nach etwa 3,5 Kilometern den Kundgebungsplatz. An der Demonstration nahmen rund 1.200 Menschen teil. Der Kundgebungsplatz wirkte dabei eher wie ein Festgelände. Statt an einen Tag zu erinnern, der in der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung durch jahrzehntelange Kämpfe und Opfer erstritten wurde, glich das Geschehen eher einem Straßenfest.

Der historische Charakter des 1. Mai wurde dadurch weitgehend entleert und in ein gewöhnliches Feiertags- und Unterhaltungsereignis verwandelt. Auch die 1.-Mai-Plakate des DGB sowie die auf der Bühne gehaltenen Redebeiträge vermittelten insgesamt den Eindruck einer sozialpartnerschaftlichen Politik. Ebenso zeigt die Praxis der Gewerkschaften in den Betrieben, im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor, wie eng sie mit dem bestehenden System und der Politik der Sozialpartnerschaft verbunden sind.

In solchen Zeiten ist nicht zu erwarten, dass diese Gewerkschaften die Beschäftigten an Kampftagen im Sinne der historischen Arbeiter:innenbewegung mobilisieren oder ihnen ein kämpferisches Bewusstsein vermitteln. Vielmehr fungieren sie als institutionelle Vertreter innerhalb des bestehenden Systems. Ihr Ziel ist es häufig, die Arbeiter:innenklasse von grundlegender Systemkritik fernzuhalten und sie in kontrollierbare Bahnen zu lenken.

In der Städteregion Aachen sind derzeit rund 140.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig (Stand: Mitte 2025).

Davon entfallen etwa:

– Industrie: ca. 20.000

– Öffentlicher Dienst: ca. 20.000–25.000

– Soziales und Gesundheit: ca. 25.000

Von diesen Beschäftigten sind etwa 35.000–40.000 gewerkschaftlich organisiert, darunter:

– ver.di: ca. 18.000–25.000

– IG Metall: ca. 12.000–15.000

– NGG: ca. 4.000–5.000

– IG BCE: ca. 1.500–3.000

Trotz dieser Zahlen und trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage nahmen nur etwa 1.200 Menschen an der 1.-Mai-Demonstration teil.

Trotz wachsender Ausbeutung, Arbeitslosigkeit, zunehmender Armut, Wohnungsnot, steigender Lebenshaltungskosten und unsicherer Zukunftsaussichten sowie trotz einer Politik, die stärker auf Aufrüstung, Militarisierung und internationale Spannungen als auf Frieden setzt, bleibt die Beteiligung gering. In immer mehr Ländern sind rechte und faschistische Parteien an der Macht, während sich die globale Umweltkrise weiter verschärft.

Hunderttausende Arbeitsplätze werden abgebaut, Betriebe und Ausbildungsstätten geschlossen. Löhne und Renten stagnieren oder sinken, während Mieten sowie Energie- und Benzinpreise steigen. Die Lasten dieses kapitalistischen Systems werden auf die Schultern der Arbeiterinnen und Arbeiter abgewälzt.

Trotz all dieser Entwicklungen bleibt die Beteiligung am 1. Mai begrenzt, und der öffentliche Raum wird häufig Kräften überlassen, die eine sozialpartnerschaftliche Linie vertreten und das Klassenbewusstsein eher abschwächen als stärken.

Wir sind jedoch überzeugt, dass diese negative Situation für die Arbeiter:innen- und Werktätigenklasse nur vorübergehender Natur ist.

Mit dieser Überzeugung haben wir auch bei der diesjährigen 1.-Mai-Demonstration und Kundgebung, die in einer zugleich wirkungslosen und festlichen Atmosphäre stattfand, konsequent für unsere Ziele gearbeitet.

Wir sind im gesamten Demonstrationszug mitgelaufen, haben unsere Fahnen und Transparente getragen und unsere Parolen lautstark gerufen. Wir marschierten unter anderem mit dem Transparent:

Kämpft für Frieden! Kämpft für die Zerschlagung des imperialistischen Systems! Trotz alledem“.

Unsere zum 1. Mai herausgegebene Fabrikzeitung haben wir wirkungsvoll und so breit wie möglich verteilt. Darüber hinaus brachten wir unsere aktuellen Zeitungen, Flugblätter und Bücher an interessierte Arbeiterinnen und Arbeiter sowie an Freund:innen und Unterstützer.

Trotz aller Behinderungen durch die DGB-Gewerkschaftsführung eröffneten wir auf dem Kundgebungsplatz unseren Info- bzw. Büchertisch und setzten unsere Propagandaarbeit entschlossen fort. Zudem kamen wir mit zahlreichen fortschrittlichen und revolutionären Menschen sowie mit Arbeiterinnen und Arbeitern ins Gespräch. Wir diskutierten viele aktuelle Fragen, tauschten Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte.

Insgesamt war die Aktion aus unserer Sicht erfolgreich und sehr produktiv.

TA NRW